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GEMEINSCHAFTSPRAXIS DR. B. ZENNER, R. LEUCHTWEIS |
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Schwindeltherapie
Das Halten des Gleichgewichts ist immer Folge eines Lernprozesses. Schwindel als Folge einer Gleichgewichtsfunktionsstörung kann deshalb häufig durch einen geeigneten Lernvorgang therapiert werden.
Als Sie in den ersten Monaten Ihres Lebens sitzen, stehen und laufen lernten, hat Ihr Gleichgewichtsfunktionssystem im Gehirn erlernt, die vielfältigen Signale der Sensoren der Ohren und des Körpers richtig zu interpretieren.
Wenn nun die Signale von einem oder beiden Innenohren sich krankheitsbedingt verändern, wird das Gleichgewichtssystem im Gehirn „verwirrt“: Die Signale sind erscheinen dem Gehirn widersprüchlich, so dass man Schwindel empfindet.
Auch kann es möglich sein, dass insbesondere im Alter die Fähigkeit des Gehirns, die Signale aus den Ohren und vom Körper präzise und kontrolliert zu verarbeiten, nachlässt. Vielmehr kann es zu überschießenden Reaktionen mit überschießenden Befehlen an die Muskeln von Armen, Beinen und Augen kommen. Auch dieses wird als Schwindel empfunden.
Speziell im Alter können beide Mechanismen kombiniert sein, wodurch die spontane Zentrale Kompensation behindert wird.
Erfreulicherweise ist das Gehirn grundsätzlich in der Lage, die Verarbeitung der Signale aus Ohren und Körper wieder zu verbessern. Neurobiologen sprechen von der „Plastizität des Gehirns“. Die verbesserte Signalverarbeitung ist Folge eines Lernprozesses, bei dem durch im Gehirn ankommende Erregungen das Gehirn erlernt, die krankheitsbedingt veränderten Signale wieder richtig zu interpretieren. Es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Erlernen einer Fremdsprache: Hört man eine fremde Sprache erstmals, so kann das Gehirn die Worte nicht interpretieren, da es sie nicht kennt. Nachdem man aktiv Vokabeln gelernt hat, hat das Gehirn gelernt, die neuen Worte korrekt zu interpretieren – die Sprache kann verstanden werden.
Die neuen Signale müssen sich dem Gehirn wie Vokabeln einprägen. Natürlich wissen Sie, dass Vokabeln nicht mit Hilfe von Medikamenten erlernt werden können. Auch hilft es nichts, einfach nur ein Lehrbuch zu besitzen. Vielmehr müssen Vokabeln aktiv durch ständige Wiederholungen erlernt werden, bis sie „sitzen“.
Genauso ist es bei dem Vestibulo-Care-Therapiekonzept. Sie führen mit Ihrem Arzt eine ganz bestimmte Abfolge von Übungen durch, die Sie selbst aktiv und z.T. mit Anstrengung durchführen und immer wieder wiederholen. Dadurch wird ein Lernprozess mit, wie die Neurophysiologen sagen, nachhaltigen neurophysiologischen Veränderungen im zentral-vestibulären System und seinen assoziierten Arealen ausgelöst. Die Veränderungen des Gehirns folgen dabei, so die Fachleute, der Hepp-Regel. Die Aktivierung von Hirnzellen und Hirnarealen ändert die Verbindungen zwischen Zellen und Hirnregionen. Als Ort konnten sog. plastische Synapsen an den dendritischen Spines der Neurone identifiziert werden. Dieser Lernvorgang führt durch den Nerv growth factor NGF zu strukturellen Änderungen der plastischen Neurone.
Weitere Prozeduren: In der Leitlinie sind Stresstherapie und Therapie des Sozialen Rückzugs vorgesehen. Sollte die Untersuchung jedoch Comorbiditäten (Begleiterkrankungen) aufdecken, werden zusätzlich weitere Prozeduren wie z.B. Coping eingesetzt.
Ablauf: Die Therapie besteht in der Regel aus 6 Anfangssitzungen plus 3-5 Wiedervorstellungen alle 6-12 Wochen. Die Therapie wird in Einzelsitzungen oder im Compact-Block (2 Tage) durchgeführt.
In Einzelfällen kann eine Kurztherapie unter 6 Std. Anfangstherapie ausreichend sein: auch in diesem Fall sind die 3-5 Wiedervorstellungen alle 6-12 Wochen erforderlich. Möglich ist eine erhebliche Comorbidität, die zur Erweiterung zwingt.
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